du bist dylan!

(this holzfällerhemd kills fascists!)

so. komme gerade aus dem kino. “i’m not there” gabs und ich weiß noch nicht so ganz, was ich daraus machen soll. ich bin kein ausgesprochener dylan-experte, vielleicht ist das ja auch das problem bei der sache. denn: ich bin ein wenig verwirrt. und vielleicht auch ein wenig enttäuscht. was im sommer letzten jahres das erste mal mit der etwas bizarr anmutenden ankündigung, unter anderem werde eine frau den folk-altmeister bob dylan spielen, seinen anfang nahm, endete im ucg multiplex in downtown brüssel in 132 minuten episodenfilm. die ankündigung bei wikipedia, der film “depicts the iconic singer-songwriter through seven distinct stages of his life”, stimmt so nicht ganz. denn von bob dylan ist im film nie die rede. die charaktere nennen sich woody, heißen billy the kid, arthur rimbaud, jack rollins, robbie clark oder jude quinn. dabei kommt letztgenannter protagonist (sehr überzeugend gespielt von cate blanchett) dylan selbst am nächsten.

der afroamerikanische hobo-junge, der sich seinen im güterzug mitreisenden als woody guthrie vorstellt hat mit der biografie des sängers ebenso wenig direkt zu tun wie westernlegende billy the kid (richard gere in einer ungewöhnlichen rolle!) oder schauspieler robbie clark (heath ledger, der gefickte aus brokeback mountain). correct me if i’m wrong. und so entsteht der eindruck, die message des films sei: in jedem steckt ein stück bob. du bist dylan! so weit, so wirr. für einen “echten” episodenfilm allerdings fehlt der rote faden (es sei denn, man nimmt die musik dylans als faden, aber das ist mir zu dünn), bzw. der moment, in dem alle handlungsstränge zusammengeführt werden (à la “short cuts“). zu oft wird willkürlich zwischen den episoden hin und her geswitcht, die billy-the-kid-episode wird relativ spät eingeführt, zu anderen kommt regisseur todd haynes später nicht mehr zurück.

weitere auffälligkeiten: die szene, in der dylan in london (?) auf die beatles trifft, stellt eine recht plumpe “hommage” an den grenzdebilen humor der fab-four-filme “a hard day’s night” oder “help!” dar. gewollt? well … cate blanchett spielt wie gewohnt überzeugend und großartig, der abschnitt, in dem sich jude quinn (blanchett) und allen ginsberg (david cross) über den am kreuz hängenden jesus lustig machen (quinn ruft ihm zu: “how does it feel?”, jene zentrale line aus “like a rolling stone“) gehört zu den höhepunkten des films. der wirklich junge marcus carl franklin (woody) mimt den straßenweisen landstreicher mit einer irrsinnigen leichtigkeit, dass einem der mund offen steht. der kerl ist erst vierzehn!

wirklich gut übertragen fand ich auch christian bale und julianne moore als jack rollins und alice fabian (oder bob dylan und joan baez). in der sequenz mit den beiden sieht man bilder der beiden auf der bühne, so wie beim newport folk festival 1964, ’65. mit im bild die markanten originalmikrofone, die von den veranstaltern damals verwendet wurden. und ein biographischer fehler ist mir aufgefallen: der gig von ’65 in newport, als dylan elektrisch wurde, fand abends statt, nicht nachmittags. aber das ist wohl nerdscheiße und für den film eher irrelevant.

fazit: wer einen bob dylan lobhudelnden film oder ein akkurates biopic erwartet, wird von “i’m not there” enttäuscht sein. aus dem streifen muss wohl jeder seinen eigenen sinn ziehen und ein wenig legendenbildung ist sicher auch gewollt. vielleicht muss man ja auch einfach dylan-intimus sein, um das werk zu verstehen. was bleibt, ist ein großartiger soundtrack (u.a. sonic youth, stephen malkmus, los lobos, calexico und tom verlaine interpretieren den meister) und ein weiterer film, in dem die unvergleichliche charlotte gainsbourg mitspielt.

1 Kommentar

  1. einspruch!

    “der afroamerikanische hobo-junge, der sich seinen im güterzug mitreisenden als woody guthrie vorstellt hat mit der biografie des sängers ebenso wenig direkt zu tun wie westernlegende billy the kid (richard gere in einer ungewöhnlichen rolle!) oder schauspieler robbie clark (heath ledger, der gefickte aus brokeback mountain).”

    das würde ich so nicht unterschreiben!

    der junge steht, so interpretiere ich das, für den jungen dylan, der die folk-szene aufwühlte und als selbst noch kaum volljähriger jüngling erstaunliche altklugheit und können an den tag legte. nicht umsonst wird der kleine woody im film auch dabei gezeigt, wie er den im sterben liegenden woody guthrie besucht. der name ist ja auch nicht zufällig gewählt, tendierte dylan in seinen jungen jahren doch dazu, sein grosses idol zu imitieren.

    aus billy the kid werde ich nicht ganz schlau. im film “pat garret & billy the kid” spielt dylan ja nicht die hauptrolle, sondern ist als “alias” in einer nebenrolle zu sehen. die gere-szenen könnten vielleicht ein hinweis auf den aktuellen dylan sein – wie billy von niemandem erkannt wird, erkennen heute viele seine songs nicht, wenn dylan ein konzert gibt.

    heath ledger spielt einen schauspieler, der einen musiker spielt, der von einem schauspieler gespielt wird. ich glaube nicht, dass damit gesagt werden soll, dass wir alle ein wenig dylan sind. vielmehr trägt diese pirouette zur verfremdung bei – dylan ist nicht gleich dylan. es sind rollen, die dylan annimmt, oder vielleicht vielmehr: masken, die er sich aufsetzt. in der öffentlichkeit jedenfalls. umso passender eigentlich, dass gerade dylans privatleben (seine beziehung zu suze rotolo und sara lowndes, die charlotte gainsbourg beide in einer person darstellt, sowie sein familienleben), also eigentlich derjenige teil seines lebens, in dem er keine maske trug, im film von einem “schauspieler” gezeigt wird.

    mir hat der film gefallen, aber ich bin auch ein ziemlicher dylan-nerd…

    liebe grüsse
    — die vom zwischenbericht

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