the death of nightlife – polizei kriminalisiert clubgänger

ich bin froh, dass ich freitagnacht nicht in der blechnerei hier in konstanz war. das vorausgeschickt stellt auch klar, dass das, worüber ich schreibe, nur vom hörensagen her kenne und entsprechend nicht einschätzen/werten kann.

in der nacht vom freitag auf samstag wurde in der blechnerei, einem durchaus angesagten electroclub im konstanzer gewerbegebiet, von der polizei eine grossrazzia durchgeführt. dabei wurden von angeblich 300 cops knapp 400 clubbesucher erst in der blechnerei festgesetzt und dann fotografiert, erkennungsdienstlich behandelt und durchsucht (incl. ausziehen und ggf. leibesvisitation). dazu wurden handys kontrolliert und daten von handys auf polizeirechnern gespeichert. laut polizeimeldung (bitte runterscrollen bis zu: “Drogenkriminalität – Razzia in Diskothek”) waren “Beamte aus dem Landkreis starke Kräfte der Bereitschaftspolizei, Angehörige des Zolls mit speziell ausgebildeten Rauschgifthunden sowie die Kantonspolizei Thurgau und die Schweizer Grenzwacht beteiligt.” einsatzleiter stiefel wertet die polizeiaktion als erfolg und behauptet tatsächlich, die verhältnismässigkeit sei jederzeit gewahrt worden.

eine aussage, über die man lachen möchte, wäre das vorgehen der polizei nicht so erschreckend gewesen. denn, die razzia hatte folgendes zum ergebnis: 400 verunsicherte nachtschwärmer, die alle pauschal einer wie auch immer gearteten straftat verdächtigt wurden und z.t. bis um halb sieben morgen festgehalten wurden. 13 (!) verstösse gegen gegen das btmg, einen illegalen waffenbesitz (es soll sich um ein messer handeln), sowie einen verstoss gegen das jugendschutzgesetz wurden festgestellt. darüber hinaus habe es zwei fälle von widerstand gegen die staatsgewalttätigen und zwei beleidigungen. bedenkt man das vorgehen der polizei (beim stürmen der blechnerei hat es angeblich zwei verletzte clubgängerinnen gegeben), ist das noch eine erstaunlich geringe zahl. verhältnismässigkeit my ass!

komplett der lächerlichkeit preis geben sich allerdings die polizei und einsatzleiter stiefel allerdings mit dem letzten satz in ihrem pressebericht: “Neben der Ermittlung von Tatverdächtigen ging es vor allem darum, eine sich abzeichnende Drogenszene zu verhindern und damit nachhaltig das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken.” verstehe ich das richtig, herr stiefel? wenn ich als unbescholtener bürger in einen club gehe, kann ich mich sicher fühlen, weil ich damit rechnen kann, dass ihre fahndungswütigen spürhunde mit grosser besonnenheit und verhältnismässigkeit meine bürgerrechte vor meinen augen zerpflücken? dann freue ich mich schon auf den nächsten ausgehabend in der blechnerei/kantine/woauchimmer.

2 Kommentare

  1. was für ein aufwand für nix. Immer wieder schlimm so etwas lesen zu müssen. Habe solche Erstürmungen schon mehrmals erlebt, aber 300 grüne männchen bei 400 leutz – das ist hart. das klingt nicht nach einer Übung für die Frischlinge, wie es in Leipzig einmal der Fall war.

  2. Keiner hat etwas gegen Drogenkontrollen; wenn Sie berechtigt und vor Allem verhältnismäßig sind.
    Ob diese Aktion berechtigt war weiß ich nicht aber verhältnismäßig war sie ganz sicher nicht! Bitte lest auch `Mal die Erfahrungsberichte einiger Betroffener auf dieser Seite hier:
    http://blechnerei-konstanz.suedblog.de

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