im viehtransport nach konstanz

vor anderthalb wochen, im ice zwischen köln und baden-baden. schräg hinter mir sitzt ein schweizer pärchen, entweder betucht oder dieses vortäuschend, und dabei ziemlich schnöselig aussehend. vor allem er. typ freizeit-golfer (im negativen sinne, olli!), cabriofahrer, möchtegern-beau. mit anderen worten: schleimig, ekelerregend, uärks. beim zusteigen schon aufgefallen, einfach wegen des aussehens. menschen in solchem kleid fahren eigentlich keine bahn. und wenn, dann orientexpress und nicht berlin-basel. nach kurzer sitzzeit (ich glaube, sie sind in frankfurt zugestiegen), höre ich mit einem viertelohr ihn sagen, das wäre ja unmöglich hier, das wäre ja wie im viehtransport hier. ich glaubte, mich verhört zu haben, aber im nachhinein ist der gedanke des jungen herrn im feinen pinken strickpullover (meine erinnerung mag mich trügen), mit dem seidenen halstuch und den über gebühr gegelten haaren, inmitten eines waggons voll schlachtvieh durchaus appealing. wie dem auch sei, er verstummte dann erst einmal wieder. um dann den verbalen hammer herauszuholen, als der nichts ahnende (und glücklicherweise recht gleichgültig scheinende) schaffner kam. ob das denn hier so sein müsse mit dem sitzen, es wäre eine zumutung, so eingeengt zwischen vordermann und kofferregal zu sitzen, und überhaupt käme er sich vor wie im gefängnis. was für ein bemitleidenswerter mensch, der dort mit mir reiste. ist schon in viehtransporten durch europa gefahren und hat offensichtlich im knast gesessen. und hat sich doch aus diesem loch herausgearbeitet. hat eine hübsche frau, ist wahrscheinlich beruflich erfolgreich, beweist geschmack (pinker strickpulli!). und seine kriminelle vergangenheit, die ihn hinter schwedische gardinen gebracht hat, verbietet es ihm, mit der ersten klasse zu fahren. was für ein mensch, der mit mir dort gereist ist.

bauch: nudeln
ohr: turbonegro

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*