Schweizer Käse! Von Schweizer Frauen und deutschen Männern

Zeit für eine Art neuer Rubrik, wo ich doch jetzt schon in der Schweiz wohne. Beobachtungen rund um das, was man als “Schweizer Befindlichkeit” sammeln könnte. In loser Folge. Den Anfang macht ein offensichtlich nicht unbrisantes Thema: Deutsche in der Schweiz.

Glaubt man den Medien, hat der gemeine Schweizer a) einen gesunden Minderwertigkeitskomplex gegenüber den Deutschen und lebt in ständiger Angst vor der Überfremdung durch den Nachbar aus dem Norden und fühlt sich gleichzeitig b) dem Deutschen überlegen, weil er ist ja ein Schweizer. Schizophren? Nunja, dieses ambivalente Gefühl ist zumindest allgegenwärtig, auch wenn es von meinen Schweizer Kollegen (einer Deutsch-Libanesin mit Schweizer Pass, einem Schweiz-Südafrikaner, einem Schweiz-Malteser und einem Basler) als nichtig abgetan wird.

Angeblich hat “der Schweizer” Angst vor einer Überfremdung, vor allem fürchtet er die Deutschen, die mittlerweile die größte Ausländergruppe in der Schweiz bilden. Die nehmen dem armen Schweizer die Arbeitsplätze weg, allein 1000 lassen sich, so liest man hier und da, allein monatlich in Zürich nieder (und ich bin jetzt einer von ihnen). Eine Leserin des laut Wikipedia eher linken Tagesanzeiger (“Tagi”, wie der Schweizer sagt) schreibt: “Es stimmt mich traurig und macht mich bisweilen hoffnungslos, wenn ich sehe, dass wir Einheimischen keine Chancen mehr bekommen und deutsche Arbeitnehmer unsere Stellen einnehmen.”

Tatsächlich scheint es sich mir um ein effektheischerisch von den Medien in Szene gesetztes Problem des “kleinen Mannes” zu Handeln. Es existiert sicher, als kleinbürgerlich-rassistisch (was es offensichtlich ist) wird es allerdings nicht benannt.

Und es kommt noch schlimmer: Jetzt fürchten die Schweizer Männer auch noch um ihre Frauen! Ein Tagi-Leser schreibt an die Zeitung: “Ich persönlich fürchte diese deutschen Männer auch noch, weil sie uns so viele der attraktivsten Schweizer Frauen wegnehmen.” Redakteur Benno Gasser beschwichtigt zwar, aber die Tatsache, dass das Thema einen ganzen Artikel hergibt, spricht für sich. Also, Schweizer Männer und vor allem Frauen, seht euch vor, ab Samstag wohnt ein Deutscher mehr in der Stadt!

1 Kommentar

  1. jaha, der mediale dauerbrenner. auch wichtig: fussball. “der schweizer” ist in der regel gegen das deutsche team. gegenüber deutschen kann “der schweizer” ungehemmt seinen kleinlichen fremdenhass ausleben und kriegt erst noch quer durch alle bevölkerungsschichten applaus dafür.
    am besten den ball flach halten und die sache aussitzen, bis die finnInnen oder pfefferländerInnen die grösste gruppe aus dem ausland bilden. kann jedoch ne weile dauern. bist du also heute nicht im stall, wenn deine persönliche invasion erst am samstag über die bühne geht?

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