15 Songs für 2008

Anmerkung von Matze: Olli bat mich, seine Jahrescharts zu kommentieren, was ich mit Freuden in seinem Blog getan habe. Natürlich musste er mir diesen Dienst auch erweisen, hier ist sein Text.

es zeit für eine kleine revue 2008. das heißt: es ist zeit für die top15 singles des jahres. oft sind die titel schnöde – oder wenn man so will prägnant – aufgelistet, damit exel gebändigt bleibt und jeder schnell vergleichen kann. aber hier breche ich diese struktur etwas auf und rezensiere, kommentiere und bespreche die top15 singles von matze. für die spannung, deren bogen hier manchmal abhanden kommt, muss die umgekehrte reihenfolge sorgen.

platz 15: smoke blow – zombie auf’m klapprad
punkrock. diese musikrichtung kann man so herrlich zerdenken, man kann mit den vertretern sympathisieren und trotzdem wider deren haltung agieren (vgl. tocotronics top-fan vom southside). man kann sich aber auch am riemen reißen und gehörig in den arsch treten lassen. nach “zombie auf’m klapprad” ist ein sitzkissen absolute pflicht.

platz 14: sascha funke – mango
“und da ist das sitzkissen ja schon”, möchte man als anhänger der gepflegten gitarrenmusik sagen. doch man verkennt, wie verführerisch und besitzergreifend elektronische musik ist oder sein kann. flächig sphärisch vernebelt mango gepflegte sieben minuten lang die synapsen. die hirnwellen synchronisieren sich mit den klangwellen und der resonanzkörper findet sich unvermittelt auf der tanzfläche wieder. einfach so. ich muss meinen mangel an aufmerksamkeit verdammen. mein weihnachtlicher abschied von meinem wohnzimmer (dorian gray) im jahr 2000 verpflichtet mich eigentlich, in meinen jahrelisten songs wie diesen aufzunehmen.

platz 13: coldplay – lovers in japan (osaka sun mix)
coldplay bieten schon seit längerem interessante remixe ihrer songs feil. nicht selten übertrifft die neufassung die spannung und intensität des originals um längen. so auch hier. würde coldplay nur noch remix-alben veröffentlichen, ich könnte ohne probleme damit leben und auch wenn mich niemand danach fragt: das gilt auch für die killers.

platz 12: fotos – nach dem goldrausch (pioneers remix)
auch diese band setzt auf elektronischen mehrwert, sehr zur freude der kritiker (d.h. auch sehr zu meiner freude), aber mit dem großen erfolg hapert es scheinbar. warum eigentlich? vielleicht weil das kritikergedächtnis wie das meinige, so löchrig ist oder der remix trotz seiner qualität – immerhin ja hier auf platz 12 – auch einen tick zu beliebig. oder eben zu sehr kritikermusik ist? fotos werfen fragen auf. die drängendste lautet: wann kommt der erfolg, den sie verdienen?

platz 11: calvin harris – merry making at my place
im hintergrund wechselt der dj und der habitus übernimmt. habitus ist ende 20, weiß mit seinem leben nicht so richtig viel anzufangen, weil es trotz vieler ideen am großen plan mangelt, aber habitus kann feiern. seine aura wird unfreiwillig von einer coolness dominiert, die die geister scheidet, habitus selbst seltsamerweise aber vom scheitern abhält. habitus schafft es bei mir nur zum musikalischen one-night-stand. hier rotiert “merry making at my place” dagegen auf platz 11.

platz 10: morrissey – that’s how people grow up
freunde des binären zahlensystems freuen sich über platz 1 für den mozzfather. der vor zynismus und egomanie nur so strotzende gruß morrisseys an die umwelt gehört auch definitiv in diese chartsregion. diese welt ist aber weder binär, noch – gottlob – konstant wie von big m beschrieben. zumindest für berufsoptimisten wie mich. das schmälert aber den genuß dieser musik, dieser werke, nicht im geringsten.

platz 9: kenna – say goodbye to love
kenna schafft es bei mir nur zum trägermedium bis zum nächsten lied. sätze wie “say goodbye to love” geben zwar durchaus zu vielen ausführungen anlass, aber da sich 2008 letztlich als großes liebes-hallo herausgestellt hat, lyriziert kenna dezent an meiner realität vorbei. say goodbye to those who say goodbye to love.

platz 8: the gaslight anthem – the ’59 sound
wenn er nicht inzwischen schon erbracht wurde, kommt hier der beweis, dass solche listen auch immer ein belehrendes element enthalten. pauschal lautet es: “ganz egal, wie sehr du dir mühe gibst, eine facette des jahres kommt dir abhanden. weil du, der gerade meine liste liest, mir nicht mitteilen kannst, was bei mir fehlt, musst daher du mit dieser belehrung alleine leben. du hast nämlich [hier ein ausgesuchtes lied einfügen - in diesem fall eben the gaslight anthem - the '59 sound] unterschlagen. höre es dir an und du wirst diesen fehler zugeben”. melancholie und sentimentales darf gerne laut und packend sein.

platz 7: one day as a lion – wild international
zach dela rocha mag als politischer agitator seine berechtigung oder glaubwürdigkeit verloren haben. musikalisch sieht das aber ganz anders aus. sein begrenztes gesangs-instrumentarium profitiert [leute, gebt wörtern bewusst den platz den sie verdienen! [gleiches gilt auch in belehrungen!]] von der einfachheit guter musik und den komplexen die diese auslöst gleichermaßen. chris cornell – sklave gleich zweier bandvergangenheiten – kann ein lied davon singen.

platz 6: frittenbude – mindestens in 1000 jahren
in jedem jahr wäre matze mit frittenbude bei mir durchgekommen. nur nicht im jahr 2008. da passierte mal zu viel, mal zu wenig, mal gab es viel zu tun, mal gar nichts. seine plädoyers für die hamburger aus münchen stießen bei mir stets auf taube ohren. ich möchte nicht zuviel verraten, aber es war ein fehler. vorsatz für 2009: frittenbude hören, frittenbude unterstützen, frittenbude predigen. damit wäre meine bestimmung also gefunden… das ist kunst.

platz 5: pendulum – the tempest
für dieses lied wurden große soundanlagen und hochwertige kopfhörer geschaffen. denn man muss sich anfangs wie in eine hängematte hineinlegen und anschließend von einer monsterwelle nassmachen lassen. man könnte sich natürlich auch auf dem tanzflur verausgaben, aber das wäre zu trivial für einen song, der kaum eine gelegenheit auslässt, richtungen zu wechseln und mit seinen hörern zu spielen.

platz 4: british sea power – lights out for darker skies
checkertum in perfektion. jeder dahergelaufene musikfan würde “waving flags” in seiner liste nominieren, nicht aber kenner. die platzieren “lights out for darker skies”, weil mehr als sechseinhalb minuten dem ohr geschmeichelt wird.

platz 3: hadouken! – that boy that girl
die street fighter von der königlichen insel verschreckten in albumlänge die geschätzte kollegin kellnerin und ich würde ihr sogar schneller recht geben, als es der platz dieses kommentars zulässt. aber so lange nur dieser song rotiert, auf der tanzfläche, die angenehm gefüllt ist, deren djs garantieren, dass danach keine größeren experimente mehr gestartet werden, dann stehe ich zumindest im kontext dieser charts demjenigen bei, der hierfür platz 3 freimacht. that matze.

platz 2: primal scream – the glory of love
was noch bei kenna zur gepflegten bockigkeit meinerseits führte, öffnet hier fast alle schleusen, türe und tore. dämme brechen, flüsse bahnen sich ihren weg. beseelt von der liebe und einem eingängigen stück ist es zeit frieden zu schließen mit dem jahr 2008. schon jetzt lässt sich sagen, dass es ein gutes jahr war. schotten dicht und schotten auf platz 2. und vorbildlich noch eine handvoll schweden (peter bjorn & johns björn yttling produzierte. den rest bitte auf laut.de nachlesen) mitplatziert.

platz 1: frittenbude – raveland (kettcar cover)
eigentlich ein remix für kettcar, aber in seinem innersten so eigenständig, dass der interpret den namen frittenbude auch verdient. und so gelingt audioliths next topband, nicht nur das kunststück gleich zwei lieder in der jahresbestenliste zu platzieren, sondern eines davon gleich auf platz 1 zu hieven. man könnte natürlich auch – kopf eingeschaltet – über den irrweg schwadronieren, den gerade dieser remix über die leiche des originals geht, aber manchmal hilft es auch einfach mal die fresse zu halten, dem jahr 2008 stumm für seine lieder zu danken, matzes lieblingslieder teils staunend (weil verblüffend geschmackssicher am common sense vorbei) teils anerkennend zu honorieren und notfalls die musik so laut aufzudrehen, dass man selbst die eigenen gedanken nicht mehr hören kann. “nur die halbe welt wartet auf den letzten tag. wir würden alle sofort von vorne anfangen.”

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