Der Versuch eines Nachrufs


In der vergangenen Nacht ist Michael Jackson gestorben. Ich bin kein ausgesprochener Fan, in Gesprächen mit Kollegen über den King Of Pop ging es eher darum, den Zeitpunkt festzulegen, ab dem es bergab mit seinem Œuvre ging. Was der größte Song war. Technikalitäten eben, keine Fandiskussion mit Leidenschaft. Und doch haben wir alle die Größe seiner Musik (in den Achtziger Jahren) geschätzt. Denn Michael Jackson ist eben mehr als ein Künstler, von dem man Fan ist oder nicht. Jacko ist allgemeines Kulturgut, Ikone, eben der King Of Pop, als der er sich selbst auch so gerne sah.

Doch er war auch ein Mensch, der über die Fallstricke des Lebens gestolpert ist. Von frühem Kindesalter zum Superstardom verurteilt, mit einem überliefert rigiden Vater, der die Jackson Five zum Erfolg knutete. Der kleine, schwarze Junge mit der Engelsstimme, der Soul und Pop innewohnt, dem eine Weltkarriere ohne gleichen vorbestimmt ist. Der irgendwann, wie so viele andere auch, an diesem Megastar-Dasein zerbrechen muss. Vorwürfe hat es genug gegeben, wieviel Substanz sie jeweils besaßen, werden wir vermutlich nie erfahren. Was war mit den Kindern, mit denen er sich umgab? War er ein unverantwortlicher Vater, der seinen Sohn wie ein Spielzeug aus dem Fenster hob? War er ein Freak, der einen Affen als Haustier hielt? War er krank? Was hatte es mit der Verfärbung seiner Haut auf sich?

De mortuis nil nisi bene – Über Tote soll man nur gut sprechen, überliefern uns die Römer. Bei Michael Jackson wird es uns leicht fallen. Denn sein mitunter bizarres Selbst, seine absurden Auftritte in der Öffentlichkeit, seine Megalomanie, seine späten Platten und wirkungslos verpufften Comeback-Versuche werden auf lange Sicht nur Randnotizen in seiner Biografie bleiben. Was bleibt, wird seine Musik sein. Die frühen Hits, als er den Jackson Five entsprang und seinen Soulpop perfektionierte. Als er seinen Trademark-Sound erfand. Was bleibt, ist “Billie Jean”, “Beat It”, “Thriller”, “Bad”, “Dirty Diana” und “Smooth Criminal”. Der Moonwalk bleibt, die Hand im Schritt, die Extase, die Hysterie seiner Fans, der Hauch des Mysterischen, der ihn umgab.

Die Geschichte wird gnädig mit Michael Jackson sein, nachdem sich diejenigen, die sich gerne das Maul zerreißen, beruhigt haben. Nachdem sich die Verschwörungstheoretiker zur Wort gemeldet haben (Es war Mord, Jacko lebt, er will nur seine Ruhe …).

In der vergangenen Nacht ist Michael Jackson gestorben. Deswegen ist Pop nicht tot, und der 25. Juni 2009 wird auch nicht als The day the music died in die Geschichte eingehen. Aber ein Stück schillernder Popkultur ist verloren gegangen. Die Musik bleibt.

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