Banksy Vs. Bristol Museum

Was für eine Rundreise für ein Wochenende. Freitagvormittag mit dem Flieger von Zürich nach London Luton, von dort mit dem Bus zur Paddington Station, von dort mit dem Zug nach Bristol, mit dem Vorortzug in eine Gegend, die der unbedarfte Engländer bei kurzem Ansehen wohl am ehesten als dodgy bezeichnen würde, die sich aber als eigentlich völlig okay herausstellte. Dort die Sachen bei Ed, meinem ersten Couchsurfing-Gastgeber ever, abgestellt. Ein netter, gemütlicher Zeitgenosse, den wohl außer ein Mangel an Tee nichts aus der Ruhe bringen kann. Sehr angenehm.

Nach ruhigem Abend mit leckerem Curry gings am nächsten Morgen in die Stadt zum Bristol Museum. Dort stellt der Tausendsassa von den Straßen der Stadt, Banksy, noch bis zum kommenden Sonntag seine Werke aus. Graffitis, auf Leinwand, multimediale Installationen, sogenannte Animatronics, modifizierte Gemälde, eigentlich alles. Tausendsassaesk eben. Dass wir nicht die einzigen sein würden, die anstehen wollen, war uns klar. Doch dass die Schlange eine ganze Straße bevölkern würde und schon einmal halb um den nächsten Block langte, als wir eine Dreiviertelstunde vor Museumsöffnung dort ankamen, hätten wir uns nicht gedacht. Also, anstehen, hilft ja nix, alle anderen nahmen es auch mit Humor, und nach vier Stunden und 40 Minuten waren wir auch schon drin. Und wie hat sich das gelohnt.

Banksy ist als Künstler genau meine Tasse Tee. Mehr noch, ich bin seit dieser Ausstellung fest davon überzeugt, dass er der größte Gegenwartskünstler ist. Wobei er natürlich nicht mit anderen zeitgenössischen Genies wie Sigmar Polke oder Gerhard Richter zu vergleichen ist, weil er weder großen Wert auf Anspruch noch auf Abstraktheit legt. Banksy ist ein Künstler von der Straße für die Straße. Was mir besonders gefällt ist sein Humor, seine grundsätzliche Respektlosigkeit allem gegenüber, das keinen Respekt verdient, seine manchmal gar nicht so subtile Subversion und seine Fähigkeit, auf Missstände hinzuweisen, ohne den Zeigefinger zu bemühen. Und dass er sich selbst nicht so ernst nimmt. In einem Gemälde in dickem Goldrahmen waren zwei Strichmännchen und folgender Dialog zu sehen: “Does anyone actually take this kind of art seriously?” – “Never underestimate the power of a big gold frame”.






Mehr Fotos gibt es bei flickr.

Nach der Ausstellung war zwar nicht mehr viel Energie für den Rest von Bristol übrig, immerhin haben wir noch zwei Original-Banksys in freier Wildbahn gesehen, darunter wohl eine seiner berühmtesten Arbeiten, schon leicht lädiert.


Am Sonntag nahmen wir den Zug zurück nach London, wo wir grade noch genug Zeit für die Rock’n'Roll-Library des Ex-Clash-, Ex-Big-Audio-Dynamite- und derzeitigen Carbon/Silicon-Gitarristen Mick Jones hatten. Eine hübsche kleine Angelegenheit mit vielen Memorabilia nicht nur aus den seligen Clash-Zeiten. Leider war Mick selbst nicht vor Ort, der hatte am Abend vorher dort einen intimen Gig gespielt (doh!) und sich am Sonntag nach Spanien verkrümelt. Nunja. Schön wars trotzdem. Dann abschließend von Notting Hill zurück zur Paddington Station, von da nach Heathrow, von da nach Zürich. Puh.

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