Various Artists – Peter Kruder Private Collection


Als ich letzte Woche gefragt wurde, ob ich Bock hätte, was über Peter Kruders Mixalbum “Private Collection” zu schreiben, dachte ich: “Easy, ein paar Referenzen an alten G-Stone-Scheiß und der Leim ist geschluckt”. Pustekuchen. Man hätte sich denken können, dass die eine Hälfte von Kruder & Dorfmeister es einem nicht so einfach macht.

Natürlich waren Kruder & Dorfmeister, die Wiener Frühstücksdirektoren, auch formend in meinen ersten Studentenjahren. Kaum ein Berliner Café, in dem zu fortgeschrittener Vormittagszeit beim Schlurfgang ans Büffet nicht die DJ-Kicks der beiden lief, kaum eine WG-Party, die nicht mit den “K + D Sessions” entweder anfing oder endete. Die Zeiten sind lang vorbei.

Am positivsten aus den letzten Jahren ist mir aus dem Hause G-Stone noch das hervorragende “Kunuaka” von Makossa & Megablast in Erinnerung, eine herrlich verpeilte Mischung aus Afro-Beat, Dub und Electro. Doch zurück in die Gegenwart. Peter Kruder mischt also aus dem eigenen Giftschrank zusammen.

So hat es zumindest den Anschein. Eigenen Angaben zu Folge kompiliert Peter auf seiner “Private Collection” genau das: Musik, die er zuhause spielt, wenn Freunde zu Gast sind. Wäre eine höllische Arbeit gewesen, diese siebzehn Stücke aus seinen rund 35.000 Platten (ja, ein wenig auf dicke Hose machen gehört auch dazu!) herauszupressen, schreibt er zur Promo.

Doch die Privataudienz hat es in der Tat in sich. Zuerst einmal wird jeder abgewatscht, der elektronisches Haschee à la Kruder & Dorfmeister erwartet. Nach einer achtminütigen Eröffnung durch Talk Talks “The Rainbow” geht es anspruchsvoll mit Tortoise weiter. Das hier ist Musik für späte Abende, Freunde mit denen man wenig reden, aber umso mehr schweren Rotwein trinken muss.

Allerlei obskures, aber stets stimmig zusammengefügtes Liedgut baggert Peter Kruder aus seinen Plattenkisten. Neben Tom Waits, Jan Hammer und dem Kruder-Nebenprojekt Peace Orchestra (hintereinander weg!) finden sich viele Insider-Nummern und mit dem letztjährigen “Sleazy Rider” sogar ein Kruder & Dorfmeister-Track. Insgesamt eine sehr zurückgelehnte Platte für Abende, an denen man sein Wohnzimmer zur entspannten Electro-Lounge machen möchte. Rotweinflecken nicht ausgeschlossen.

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