A Decade of Hits

Wo ist die Zeit hin? Ein Jahrzehnt geht zu Ende, und das geht nicht ohne die obligatorischen Rückblicke von statten. Da von 2000 bis 2009 Musik das beherrschende Thema bei mir war, liegt es natürlich nahe, eine entsprechende Umschau zu bieten. Ich mache es mir zugegebenermaßen auch einfach. Schon vor einigen Wochen waren alle laut.de-Mitarbeiter aufgefordert, ihre Top 50 Alben und Songs des Jahrzehnts abzuliefern. Eine Mammutaufgabe, deren Ergebnis ich hier wiedergeben möchte. Ohne Anspruch auf Komplettheit, ohne Anspruch auf Geschmack. Heute und immer wieder Sonntags im Zehnerpack die Alben, Mittwochs die Songs. Das Redaktionsergebnis gibt es bei laut.de übrigens schon nachzulesen, mit zwei erwartbaren Topplätzen.

50. Saul Williams – The Inevitable Rise And Liberation Of Niggy Tardust (2007)
Lyricist Saul Williams und NIN-Frontmann Trent Reznor tun sich zusammen und produzieren eine Platte. Benannt in Anlehnung an das Meisterwerk von Bowie kommt hier selbst ein kleines Goldstück heraus. Eklektisch, fett, und mit der wohl grausamsten Coverversion von “Sunday Bloody Sunday”, die U2 je über sich haben ergehen lassen müssen. Ein Album wie die Naughties. Bunt, grell manchmal, schnell und von allem ein bisschen. Das ganze im Eigenvertrieb und auf Wunsch kostenlos herunterzuladen, ganz im Sinne von Reznors Mittelfingerpolitik gegenüber der etablierten Labels. Für laut.de besprochen.

49. Jarvis Cocker – Further Complications (2009)
Ich war ja nie so der Pulp-Fan, aber Jarvis Cocker solo gefällt mir doch ausnehmend gut. Warum auch nicht? Zynismus, Dandy-Tum, Pop und Auflehnung in homöopathischen Dosen bietet der Engländer auf auf dem Solo-Output. Live habe ich ihn mal mit laut-Entourage in Köln gesehen, sehr fein, und das zweite Album “Further Complications” geht mir ein bisschen besser rein als das Solo-Debüt “Jarvis.

48. Interpol – Antics (2004)
Interpol haben spät gezündet bei mir, so schätzungsweise 2006. Dafür dann aber so richtig. Das Unterkühlte, an das gekünstelte Understatement der 80er erinnernde der New Yorker entspricht zwar nicht so ganz meinem Naturell, ist aber als künstlerische Pose durchaus zu schätzen. Und der Überhit “Slow Hands” funktioniert auch in Grey’s Anatomy ganz hervorragend. Oder war es “Evil”? Egal. Eine Band mit drei Topalben, hier schon mal eins. Respekt übrigens auch an den Kollegen Schiedel, der Interpol vor allen anderen verstanden hat.

47. The Thermals – Fuckin A (2004)
The Thermals machen Rock’n'Roll wie ich ihn liebe. Ohne unnötige Schnörkel, wohl aber mit Melodie (nötige Schnörkel eben), mit ordentlich Rumms und vor allem: Mit Gudelaune garantiert. Dabei nicht einmal belanglos, sondern durchaus mit Anspruch im Text. Ein Trio, bei Sub Pop unter Vertrag, bei laut.de außerdem Abonnenten auf Höchstwertungen. Gute Menschen hören Thermals.

46. Zoot Woman – Zoot Woman (2003)
Das zweite Album von Zoot Woman schlug in dem Jahr in der laut-Redaktion ein wie eine Bombe, in dem ich dort anfing. Prompt wurde es Album des Jahres und “Grey Day” Song des Jahres. Entsprechend findet sich Zoot Woman auch in der Jahrzehntsabrechnung redaktionsübergreifend auf Platz Drei. Ich konnte diese bedingungslose Begeisterung trotz aller Liebe für einzelne Hits nie so ganz teilen, dennoch reicht es natürlich auch hier für die Top 50. Allein schon wegen “Grey Day”.

45. Justice – Cross (2007)
Mit Justice ist es so eine Sache: Entweder man liebt Daft Punk und hasst Justice, oder man ist zu jung für Daft Punk (geht das?) und liebt Justice. Ich persönlich ziehe Justice Daft Punk vor, wenn auch nicht bedingungslos und offensichtlich nicht aus Altersgründen. Justice knallen einfach mehr (dafür haben Daft Punk die besseren Melodien). Sie verkörpern für mich mehr Badass-Attitüde und haben meiner Meinung nach französische, elektronische Musik wieder interessant gemacht. Aber ich lasse da mit mir streiten. Für laut.de besprochen.

44. Slayer – Christ Illusion (2006)
Seit meiner frühen Jugend höre ich keinen Metal mehr. Doch an Slayers “Christ Illusion” führte ’06 kein Weg vorbei. Irgendjemand (war es einer bei SpOn?) schrieb damals: Slayer gehen da hin, wo es uns viel zu weh täte. “Christ Illusion” kennt keine Verwandten, nimmt keine Gefangenen, usw. usf. Metal as fuck, und ich bin tierisch gespannt auf den Nachfolger “World Painted Blood”.

43. The Lemonheads – The Lemonheads (2006)
Die Nullerjahre waren für mich auch irgendwie ein Finden von gesetzterem, “erwachsenem” Musikgeschmack. Dazu zählt mit Sicherheit das Entdecken der Smiths und von Morrissey, aber auch die gewachsene Wertschätzung für Sonic Youth. Und natürlich die Lemonheads und deren Frontzottel Evan Dando. Das selbstbetitelte Album birgt in der Tat eine Erwachsenheit, wie man sie von der Band vorher auch noch nicht kannte (behaupte ich). Was ja nicht heißt, dass so eine Platte nicht auch Spaß machen kann. Denn das tut sie (siehe zum Beispiel “Poughkeepsie”).

42. Nine Inch Nails – Year Zero (2007)
Im Frühjahr 2007 hat Trent Reznor die laut-Redaktion ganz schön in Atem gehalten. Fast täglich gab es damals neue Hinweise auf sein neues Album, am Ende war eine ausgewachsene Schnitzeljagd im Netz entstanden, mit Tentakeln in der echten Welt. So ausgeklügelt und zugegebenermaßen spannend das Drumrum auch war – “Year Zero” hielt für mich den Erwartungen stand. Wieder etwas kantiger als “With Teeth” präsentierte sich Nine Inch Nails auch live damals voll auf der Höhe. Für laut.de besprochen.

41. Gallows – Orchestra Of Wolves (2007)
Ist es Punkrock? Ist es Hardcore? Ist es eine Art Metal? Ich weiß es nicht abschließend, aber Gallows waren damals schon eine kleine Offenbarung. Interessante Punkbands sind heute wirklich dünn gesät (außer Pissed Jeans und Paint It Black fallen mir nicht allzu viele ein, die nicht ausschließlich im Underground operieren), die Briten gehören dazu. Dazu bietet Sänger Frank Carter ein fast schon bizarres Äußeres: Hager, volltätowiert, rothaarig. Ein Frontmann wie die Musik – ein fieser Bastard. Für laut.de besprochen.

Am Mittwoch gehts dann mit den Songs (Platz 50-41) weiter, nächsten Sonntag dann die Albumplätze 40-31.

1 Kommentar

  1. Danke für die props. Fühle mich aber zu unrecht geehrt, denn ich habe Interpol bei der Veröffentlichung des Debüts nicht so wirklich toll gefunden. Erst als sie dann auf Tour kamen und ich das Spektakel live (Gebäude 9) sah, hat es geknackt. Dann aber richtig.

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