A Decade of Hits II

Teil Zwei der Decade of Hits, leicht verspätet (Teil Eins gibts hier). Die besten Alben des Jahrzehnts, meiner Meinung nach, Plätze 40 bis 31. Here we go:

40. The Chemical Brothers – We Are The Night (2007)
Ich bin kein Elektro-Checker, wer mich kennt, weiß das. Somit ist es sicher nicht verwunderlich, dass ich ein großer Chemical-Brothers-Fan bin. Sie sind so etwas wie Common Sense für Leute, die elektronische Tanzmusik mögen, aber eigentlich keinen Plan von der Materie haben. Das macht die beiden Brothers natürlich nicht schlechter. Ihr “We Are The Night” war für mich wieder ein Topalbum, nachdem ich “Push The Button” eher für einen Durchhänger gehalten hatte. So eklektisch wie hier waren Simons und Rowlands noch nie. Und sie tauchen auch bei den Songcharts noch einmal auf.

39. The Shins – Wincing The Night Away (2007)
Eine Platte, der ich damals die volle Punktzahl geben musste. Ein zum Heulen schönes Indiepopalbum, mit nahezu perfekten Songs versehen. Live gestaltete sich das ganze ein Stück rockiger, was mich im ersten Moment verwirrte, dann aber doch ganz gut reinlief. Mit den Shins verbinde ich gute Zeiten. Was mich besonders freut, dass es sogar einige Kollegen bei laut gab, die etwas mit der Platte anfangen konnten. Die Shins sind spätestens seit dieser Platte kein Geheimtipp mehr. Zurecht. Für laut.de besprochen.

38. Trentemøller – The Last Resort (2006)
Trentemøller ist auch so ein kleinster gemeinsamer Nenner von Indiefritzen, die nur so halbwegs wissen, was in der Elektroszene abgeht. Aber wo die Chemical Brothers auf die Partyglocke hauen, baut der Däne gepflegte Soundscapes auf, die (passend zum Cover) nach kalter Frische, wohltuender Feuchtigkeit und nordischem Wald klingen. In seiner Musik kann man sich prima verlieren, fühlt sich aber stets gut aufgehoben. Was nicht ausschließt, dass es (vor allem auch live) mal ordentlich rummsen kann. Auf Grund des Tiefgangs wohl vor den Brüdern aus England.

37. Thrice – The Artist In The Ambulance (2003)
Das Album, das ich 2003 wohl am meisten gehört habe. Ich war auf der Höhe meiner Reverenz für Gitarrenmusik und zu Thrice kam ich wie die Jungfrau zum Kinde. Meine steile, unaufhaltsame musikjournalistische Karriere begann in diesem Jahr nämlich mit einem Interview mit Thrice für das 11pm-Magazin. Das gibt es mittlerweile nicht mehr, mit dem Betreiber Mirko bin ich weiterhin verbunden, er arbeitet mittlerweile als Mr. SideOneDummy Deutschland. Anyway, Thrice waren supernett im Interview und ihre Platte hat mich 2003 ziemlich weggeblasen. Dazu muss man sie wohl selbst hören. Tighter Postcore mit lyrischem Tiefgang. “The Artist In The Ambulance” war damals mein Album des Jahres, der Titeltrack der Song des Jahres.

36. John Frusciante – Shadows Collide With People (2004)
Zum Thema John Frusciante gab es einige Diskussion im lautinternen Fanlager: Wählt man “To Record Only Water For Ten Days” oder eben “Shadows Collide With People”. Ich kenne letztere Platte wesentlich besser, deshalb hier stellvertretend für das beachtenswerte Gesamtwerk des Chili-Peppers-Gitarristen auf Platz 36. Wahnsinnssongs kreieren Wahnsinnsstimmungen. Ein Kollege behauptet, “Song To Sing When I’m Lonely” wäre ein Lied gewordener Ladykiller. Ich habe es mangels musikalischer Kenntnisse noch nicht nachprüfen können.

35. The Hives – Veni, Vidi, Vicious (2000)
So begann also das Jahrzehnt. Fünf vorlaute Schweden reißen mit ihren ersten beiden Alben “Barely Legal” und “Veni, Vidi, Vicious” alle Mauern ein. Wahnwitz gepaart mit Punkrock, das sind die Hives. 2004 im Interview beim Southside verstärkte sich der Eindruck, aber hey, es ist alles nur Show in einem Business, das die Show als das einzig Wahre verkauft. Wenn es mit so viel Style geht wie bei den Hives, bin ich zufrieden. Auch wenn sie mit den letzten beiden Alben doch ziemlich nachgelassen haben.

34. Death From Above 1979 – You’re A Woman, I’m A Machine (2005)
Eine Band wie ein Hurricane: Death From Above 1979 kamen, veröffentlichten ein Album und verschwanden wieder. Ein Album, das Beachtung fand und nach dessen Durchschlagskraft man sich später sehnen würde. Elf Stücke purer Wahnsinn, zwei Typen, die Lärmen, was die Instrumente (Bass, Synths, Drums) hergeben, und ein neues Genre: Dancepunk. Oder Elektropunk. Thank you for the, äh, music.

33. Kings Of Convenience – Quiet Is The New Loud (2001)
Selten war ein Albumname so sehr Programm wie bei den Kings Of Convenience. Ihr Singer/Songwriter-Pop wurde stilbildend für ein Genre, Erlend Øye eine Art Ikone, ein Blueprint des Indieschluffels. Ein schönes, sanftes Album mit ein bisschen Tanzteeatmosphäre, eine Platte für Herbstspaziergänge und Winterabende. Weich wie eine Daunendecken, zart wie Vanillekipferl.

32. Danko Jones – I’m Alive And On Fire (2001)
Eigentlich muss man Danko Jones gar nicht auf Platte besitzen, das kanadische Rockmonster muss man eigentlich nur nur mal live gesehen haben. Selten habe ich eine so absurd gute Rockshow gesehen. Danko ist ein Tier, eine Dampfwalze, der vor nichts halt macht. Schon gar nicht vor sich selbst. Da kann es schon mal sein, dass er im Wahn anfängt zu predigen und sich selbst ohrfeigt. Wenn man dann doch mal eine Danko Jones-Platte braucht, sollte man zu “I’m Alive And On Fire” greifen. Ein feiner Parforce-Ritt auf sechs Saiten.

31. Kante – Die Tiere Sind Unruhig (2006)
Kante ist normalerweise nicht meine Tasse Tee. Mit deutscher Indiemusik tue ich mich bis auf einige wenige Ausnahmen (Kettcar, Tomte, Tocotronic natürlich) eher schwer. Zuviel Kopf und zu wenig Bauch herrscht da oft, und das geht schnell auf den Geist. Nicht so bei Kantes “Die Tiere Sind Unruhig”. Ein komisches Album eigentlich: Dunkel und hell zugleich, bedrückend und befreiend, positiv und pessimistisch. Lyrisch ganz groß und wohl der beste deutschsprachige Output dieses Jahrzehnts (minus alle Tocotronic-Platten).

Nächsten Sonntag gehts weiter, die Songs des Jahrzehnts kommen dann nach den Alben.

4 Kommentare

  1. Ich kenne genau 4 Alben. Jetzt darfst du mal raten welche? :D

  2. Ich tippe auf Chemical Brothers, Trentemøller, Death From Above und Kings Of Convenience. ;)

  3. 3 von 4 richtig. Nicht schlecht Herr Specht. Death From Above sagt mir gar nix./

    Dafür habe ich auch eine Leidenschaft zum Heroinsound von John Frusciante entwickelt.

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