Schweizer Käse – Das Kreuz mit dem Minarett, Nachschlag

Wenn man sich ein wenig mit den Reaktionen auf das Minarett-Initiativen-Ergebnis beschäftigt, kann man ganz schön ins Kotzen kommen. Entweder weil man solidarisch mit Schweizer Kollegen erbrechen möchte, oder weil einem die Galle bei selbsternannten Vaterlandshütern hochkommt. Ich will jetzt gar nicht auf die einzelnen Argumente und Gegenargumente eingehen, jeder vernünftige Mensch kann selbst seine Schlüsse ziehen.

Arg übel wurde mir heute, nachdem ich unter dem gestern schon erwähnten, äußerst fragwürdigen Kommentar von Christian Leu (angesehener Schweizer Blogger und Twitterer und bekennendes SVP-Mitglied; er schreibt in seinem kurzen Beitrag sinngemäß allen, die gegen die Entscheidung in der Minarettinitiative gesprochen haben, den gesunden Menschenverstand ab) kommentiert hatte. Nur weil man offen das offensichtliche ausspricht, wie ich es hier gestern schon getan habe, wird einem jegliches Verständnis für die Sachlage und mangelndes Demokratieverständnis nachgesagt, am übelsten (nämlich offen rechts) ist allerdings Kommentar 27 vom schweizbekannten Pöbler Annubis, der in seinem Blog ähnlich Hirnloses verzapft. Hätte Annubis in den Sechzigerjahren in Westdeutschland gelebt, hätte er wohl diejenigen, die es gewagt haben, Fragen über die NS-Vergangenheit ihrer Eltern zu stellen, am liebsten in einen Sack gesteckt und über die Mauer geworfen.

Auf der anderen Seite zeigt sich im Laufe des Tages beispielsweise in befreundeten und bekannten Akademiker-Kreisen das wahre Ausmaß. Von verständnisloser Entrüstung über fassungsloses Entsetzen kommen diejenigen, die etwas reflektierter an die Sache herangehen, zur Einsicht, was da gestern passiert ist: Eine Partei hat es über Jahre geschafft, ein Klima zu schaffen, in der eine äußerst diffuse Angst sich in einem völkischen Aufschrei Gehör verschafft, die Angst vor “dem” Moslem, dem Bärtigen Terroristen, der (so scheinbar die Logik von Annubis) zwangsweise mit einem Minarett ausgeliefert wird. Diese entsetzten, aufgeklärten Akademiker zweifeln nun mindestens an der direkten Demokratie, oft aber auch an der liberalen Grundausrichtung der Schweiz generell.

Fest steht, dass mit dem gestrigen Votum einiges Porzellan zu Bruch gegangen ist, selbst wenn in Zukunft niemand direkt in der Ausübung seines Glaubens behindert wird. Die direkte Demokratie könnte Schaden genommen haben, das Ansehen der Schweiz hat es auf jeden Fall.

2 Kommentare

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