Allein unter Holocaust-Leugnern

Ein recht interessanter Artikel hat mich über Twitter erreicht (das werden in der Tat immer mehr, Twitter is the new Feedreader). Der Schweizer Drehbuchautor Michael Sauter reist zum Kurzfilmfestival nach Teheran, und gerät natürlich in eine vom Regime gesteuerte Veranstaltung. Der Grund seines Besuchs im Iran: Sein Film “Endsieg” läuft im Wettbewerb.

Natürlich muss man Sauter Naivität vorwerfen, dass er da einfach hinfährt und denkt, das sei schon alles kosher da; allerdings ist sein kurzer Reisebericht im Tagesanzeiger dann doch sehr interessant zu lesen und vor allem auch sehr enthüllend. In der Jury des Filmfestivals sitzt beispielsweise die internationale Crème de la Crème der Antisemiten.

Über den Vibe des Staats und der Stadt schreibt Sauter: “Und das offizielle Teheran mit seinen schmuddeligen Banken, den von grellem Neonlicht erleuchteten Shops, den allgegenwärtigen Porträts von Khomenei und Khameini fühlt sich an wie ein Krebs, der zu müde ist, einen zu töten, und einen lieber dahinsiechen lässt.”

Und über das Gefühl, mit Antisemiten und Apologeten des Regimes abzuhängen: “Ich denke, es ist eine Definition von Hölle: Tag für Tag, Abend für Abend, nüchtern und nicht rauchend, in einer tristen iranischen Hotellobby neben älteren, liebenswürdigen Nazis zu sitzen und zusammen Press-TV zu schauen, das iranische Pendant zu CNN, das einen über alles und jeden informiert, nur dass am Ende immer die Juden schuld sind.”

Am Ende ist er froh, keinen Preis gewonnen zu haben: “Das ist bei dieser Jury die grösste Ehre, die man sich denken kann.”

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