vilna (6. tag)

in vilna wohnen wir in einem ehemaligen karmeliterinnenkloster. das ganze hat einen ganz besonderen charme, und ist fast wie ein hotel. vor allem weil man ein ordentliches fruehstueck bekommt und diejenigen, die nerven, nicht die teenies sind, die nicht mit alkohol umgehen können sondern die kinder der reisenden familien. ansonsten ist das ganze recht locker und gar nicht so klösterlich, wie man meinen mag.

der zweite tag in vilna, es ist uebrigens immer noch abartig heiss hier, gehörte dem barock der stadt. im vorigen eintrag habe ich schon geschrieben, dass das stadtbild geprägt ist vom pompösen baustil, und manchmal ist es fast ein wenig zuviel des guten. dennoch gefällt mir vilnius glaube ich besser als riga, weil es hier im gegensatz zur lettischen hauptstadt so etwas wie eine sichtbare alternative kultur gibt. man sieht hier auch mal ein paar indiekids oder gothicmädels auf der strasse, das hat in riga ein wenig gefehlt.

ausserdem gibt es mit užupis so etwas wie ein alternatives stadtviertel. doch dazu später. vor dem obligaten barockrundgang versuchten wir noch einmal unser glueck bei der synagoge und im juedischen museum. und glueck hatten wir. in der synagoge trafen wir auf ein älteres gemeindemitglied, der zwar kein deutsch, aber dafuer jiddisch sprach, und der uns im feinsten sprech von seinem “weib” und der alten “shul” (er meinte damit die grosse synagoge vilnes) erzählte. es war sehr interessant, mal mit einem zu sprechen, der die entwicklung der juedischen gemeinde in den letzten jahren mitverfolgen konnte, aber auch noch die alten zeiten kannte.

das juedische museum erzählt ausfuerhlich die schicksale von versteckten juden und ihren versteckern. sehr ergreifende geschichten gibt es dort zu lesen.

fuer den nachmittag hatten wir uns den besuch des besagten kuenstlerviertels užupis geplant und sassen auch schon dort am ufer des kleinen flusses vilnia, um uns bei einem bier (alle drei baltischen länder haben uebrigens hervorragende biere zu bieten!) vom anstrengenden aufstieg zur vilnaer burg zu erholen, als sich ein unwetter ankuendigte. geplant war, sich das viertel anzusehen und danach dort ueber der stadt in einem restaurant zu essen, von dessen terasse man ganz vilnius ueberblicken kann. pustekuchen! nachdem wir eine viertelstunde im quartier herumgelaufen waren, begann es derart zu regnen, dass an ein späteres draussensitzen nicht mehr zu denken war. also haben wir drinnen gespiesen, um dann die letzte nacht im kloster zu schlafen, bevor es in einer neunstuendigen busfahrt nach tallinn gehen wuerde.

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