die kosten der erinnerung.

dass die stiftung denkmal für die ermordeten juden europas und somit auch das denkmal selbst ein ernst zu nehmendes geldproblem hat, konnte man sich seit bekanntwerden des haushaltsdefizits der stiftung im letzten sommer an drei fingern zusammenrechnen. wie sehr das ganze in den letzten monaten die arbeit am denkmal und in der stiftung belastet hat, kann man im vollen umfang sicher nur verstehen, wenn man direkt dort arbeitet und es sei hier nur angedeutet. dass die ganze geschichte, wenn auch teilweise selbst verschuldet ein großer politischer skandal ist, darauf ist – zumindest von der schreibenden zunft, also denjenigen, die öffentlichkeit schaffen könnten – noch niemand gekommen. da wurden – mitunter in bester provinzialer manier – lieber schließzeiten an nationalen feiertagen oder angrenzende provisoriumsbauten skandalisiert. doch jetzt kommts vielleicht endlich mal dick: wolfgang thierse legt den vorstand der stiftung nieder. aus überzeugung hatte der damalige bundestagsvorsitzende nach dem bundestagsbeschluss vom 25. juni 1999 die verantwortung für die leitung des projekts übernommen. seiner besonnenen, aber bestimmten art ist es sicher zu verdanken, dass das denkmal trotz aller widerstände und diskussionen 2005 eröffnet werden konnte. nun zieht thierse die konsequenzen aus der skandalösen unterfinanzierung des projekts, mit dem sich politiker im in- und ausland gerne als erinnerungsweltmeister schmücken. den neuen vorsitz soll der aktuelle bundestagspräsident norbert lammert übernehmen, wohl auch, damit das denkmal wieder mehr ins zentrum der politischen öffentlichkeit gerückt wird. der schritt ist sicher nicht falsch, aber ob er der richtige ist, muss sich zeigen. eine verbesserte finanzierung unter einer regierung, die ein zentrum gegen vertreibung für wichtiger hält als das von cdu-übervater kohl protegierten denkmal, kann ich mir momentan leider nicht vorstellen. vielleicht führt die entscheidung von thierse ja wenigstens dazu, dass in der öffentlichkeit eine diskussion um die notwendigen kosten des gedenkens stattfindet und das ausland bemerkt, wie stiefmütterlich die jüngere deutsche geschichte im eigenen land wirklich behandelt wird.

zustand: moin!
hörend: cursive – happy hollow

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