Feld-Wald-Wiese – Unter Schweizer Hooligans

Grade ausgelesen: “Feld-Wald-Wiese – Hooligans in Zürich” von Daniel Ryser. Eine Art Erfahrungsbericht (mit dem Autor auch schon mal zwischen den Fronten, teilnehmende Beobachtung wäre aber wohl zuviel gesagt) mit vielen O-Tönen. Daniel schreibt für die linke Schweizer Wochenzeitung WoZ (muss man sich ungefähr so wie die taz, nur wöchentlich erscheinend, vorstellen, aber ne gute Sache und in unserer WG abonniert) und kennt sich mit der Materie aus. Ist selbst, soweit ich weiß, Fußballfan und bloggt bei Nation of Swine.

Im vergangenen Dezember war ich bei einer Vorablesung zum Buch gewesen und hatte hinterher kurz mit Daniel gesprochen. Da, genauso wie im Buch, macht er den Eindruck, als verspüre er schon eine gewisse Faszination für den Hooligan-Sport. Was ein Stück weit verständlich ist, ich finde Feuer zum Beispiel höchst ansprechend.

Vom Hooliganismus geht eine gewisse, vielleicht (ne, ganz sicher) genderbedingte Anziehungskraft aus, es hat sowas Ur-mäßiges. Ich würde nie auf die Idee kommen und mich ohne Grund prügeln, aber ich kann mich zum Beispiel auch daran erinnern, als einer der Antifa-Hools bei TeBe, da war er grade ganz neu da, nach einem Spiel am Eichkamp zu ein paar großmäuligen Dorfnazi-Anhängern vom gegnerischen Verein gelatscht ist und ihnen einfach eine gelangt hat. Das fanden wir damals größtenteils super.

Das hatte natürlich auch ein politisches Moment, aber auch sonst muss ich sagen: Wenn Hools sich untereinander die Köpfe einschlagen wollen und das irgendwo auf Feld, Wald oder Wiese geschieht (daher der Titel), wo keine Unbeteiligten mir reingezogen werden, mir Recht.

Zurück zum Buch: Es beginnt mit einer Aneinanderreihung von Zitaten, hauptsächlich von Akteuren aus der Zürcher Szene, von der “Hardturm-Front” oder von “Zürichs kranker Horde”, einem Zusammenschluss von GC- (Grasshoppers) und FCZ-Schlägern. Die Aussagen zeichnen das Bild, das man von Hools kennt: Eigentlich normale Leute, die halt geil auf Gewalt sind. Dazu kommen Zitate von Sicherheitsmenschen und Einschätzungen von Daniel.

Obwohl es laut Untertitel eher um Zürcher Hooligans geht, werden auch die anderen Szenen kurz beleuchtet, vor allem St. Gallen und Basel. Im Großen und Ganzen ist “Feld-Wald-Wiese” mehr eine Bestandsaufnahme der Schweizer Landschaft, der große Verdienst von Daniel ist wohl am ehesten, dass er an die Leute überhaupt rangekommen ist.

Leider ist das Buch mit knapp 80 Seiten recht kurz und gut an einem Tag zu lesen. Auch das politische Moment der Zürcher Szene hätte man m.E. noch deutlicher Aufgreifen können, das wird nur am Rande gestreift. Als Nazi sieht sich natürlich keiner, wie ein Zitat ambivalent verdeutlicht:

Aber wenn du am 1. Mai alles kurz und klein schlägst, dann gehe ich davon aus, dass du Action willst. Und dann ist meine Action: Dir die Fresse zu polieren. Was hat das mit Politik zu tun?

Ich empfehle: Kaufen. Lesen. Auch wenn es mit 27 Franken/19 Euro etwas teuer ist.

4 Kommentare

  1. grade auch ausgelesen. feines kleines buch. und ich weiss ja nicht, wie lange deine tage sind, aber ich hab nicht länger gebraucht, als vom schenker geschätzt: 45 min.

  2. Okay, dann brauch ichs dir nicht mehr zu schenken. Und der schnelle Leser war ich noch nie. Für Strobo hab ich sogar anderthalb Tage gebraucht, direkt im Anschluss.

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