Mein schönstes WM-Erlebnis

Die Zeit hat gestern dazu aufgerufen, denkwürdige WM-Erlebnisse zusammenzutragen. Ich trage hiermit bei und muss vorweg sagen, dass ich mich auf die WM freue. Weil es vier Wochen lang guten und spannenden Fußball zu sehen geben wird. Wichtig sind dabei natürlich die einzelnen Akteure, nicht die Mannschaften, und schon gar nicht die Nationen, für die sie stehen.

2006, als Deutschland das Eröffnungsspiel spielte, habe ich am Denkmal für die ermordeten Juden Europas Dienst geschoben. Von der Fanmeile auf dem 17. Juni wehte das fußballtypische Stadiongegröhle herüber. Und kurz vor Spielbeginn hüpften ein paar halbstarke Jungs und Mädels in Deutschlandfahnen gehüllt über ein paar Stelen und sangen “Deutschland, Deutschland über alles”.

Nach dem Viertelfinalspiel Deutschland gegen Argentinien, das ich in angenehm national desinteressierter Akademiker-Runde im WZB sehen durfte, fuhr ich mit meiner damaligen Freundin in den Friedrichshain. Sie hatte ihr Fahrrad dabei und wir stiegen in die volle S-Bahn Richtung Osten ein. Kaum drin, fingen ein paar jugendliche Fitnessjünger an zu pöbeln: Ob das denn jetzt sein müsste, was sie denn für eine “blöde Schlampe” sei, ausgerechnet jetzt ihr Rad mit in die Bahn zu schleppen. Gesagt hat natürlich niemand was, und ich allein hätte gut auf die Fresse bekommen.

Beim Aussteigen im Bahnhof hatte ich schon das Bügelschloss ihres Rades in der Hand, um das großmäuligste Arschloch wenigstens noch von hinten zu erwischen, aber meine Freundin und die Anwesenheit der Cops brachten mich davon ab. Am Ostkreuz bot sich uns dann ein Bild, wie ich es selbst in Berlin noch nicht gesehen hatte. Überall standen Friedrichshain-Studenten auf den Straßen und freuten sich darüber, dass “wir” es den “schwulen Gauchos” gezeigt hatten (im Elfmeterschießen, wohlgemerkt).

Das Halbfinalspiel Deutschland – Italien habe ich dann im übervollen Zelt einer Kreuzberger Trattoria gesehen, zusammen mit einem Kumpel, in Sachen Deutschland ähnlich aufgestellt wie ich. Was haben wir gejubelt, als die Italiener kollektiv durchdrehten. Mit Italien hatten wir natürlich nichts am Hut.

Auch wenn sich sogar in Zürich andeutet, dass der deutsche Gastarbeitermob seine Präsenz zeigen wird, bin ich froh, von all dem relativ weit weg zu sein. Und trotzdem sage ich auch 2010: Deutschland, halts Maul!, wünsche mir ein frühstmögliches Aus für Löw & Co. und werde mein Rijkaard-Jugend-Shirt tragen, bis es stinkt.

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