gesehen: johny cash in san quentin.

das babylon in mitte zeigte am samstagabend “johny cash in san quentin”. das älteste gefängnis kaliforniens hatte den countrysänger am 24.02.1969 zu gast. damals war es scheinbar nichts ungewöhnliches, dass musiker vor insassen auftraten, allerdings haben es wohl wenige so ernst genommen wie cash. meine theorie ist die – und cashologen können mich da gerne widerlegen, sollte ich falsch liegen – dass der man in black sich auf grund seines soziokulturellen backgrounds und seines eigenen außenseitertums mit den gefangenen solidarisierte. wie dem auch sei, der film ist ein höchst beeindruckendes zeitdokument. die 16mm-Version, die am samstag gezeigt wurde, hatte unter der zeit und den vielen vorführungen schon sehr gelitten, so dass ich mir mitunter vorkam wie im schulunterricht, wo wir immer die lehrfilme aus den siebziger jahren gesehen haben. dem film selbst tat das keinen abbruch. johnny cash – nach überstandenen drogenexzessen – in hochform, eine “crowd”, die selig war, zumindest für ein paar minuten mal die sorgen des alltags zu vergessen. zwischen den liedern immer wieder interviewschnipsel mit verurteilten räubern, mördern und körperverletzern, die erstaunlich gelassen über ihre taten und ihre strafe reden. ein zum tode verurteilter mörder spricht darüber, wie diejenigen, die vor ihm in die gaskammer (bis 1994 wurde in san quentin noch mit gas hingerichtet) gewandert sind, sich von den insassen verabschiedet haben und manche fast gerannt sind: “they wanted to get it over with”. spätestens an dieser stelle ist “johnny cash in san quentin” mehr als nur ein konzertfilm. cash selbst lässt natürlich keine gelegenheit aus, sich über den gefängnisalltag auszulassen. manchmal mäßig geistreich, wenn er den kameramann darauf hinweist, er solle sich doch bitte nicht so vornüber beugen, wüsste er denn nicht, dass er sich in einem männergefängnis befindet?, mal lustiger, als er zwischen zwei liedern meint: “könnte ich bitte noch ein glas wasser haben, so lange die wächter noch mit mir reden?”. richtig großartig wird die performance, als er “san quentin” singt und die insassen jede zeile frenetisch beklatschen (“san quentin i hate every inch of you” usw.) und bei “a boy named sue”, bei dem die häftlinge aus ganzem herzen lachen. beeindruckend. so beeindruckend in der tat, dass die produktionsfirma den film seinerzeit gar nicht an die amerikanischen fernsehsender loswurde, weil er als zu brisant galt.

zustand: wach
hörend: anti-flag – for blood and empire

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