9/11 auf der Schlossstrasse

“Dear New York I know a lot has changed
2 towers down but you’re still in the game”
(Beastie Boys – An open letter to NYC)

Zehn Jahre ist das nun her. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich sollte was dazu schreiben, auch wenn es jeder andere wohl auch tut. Also.

Das war ja ein Dienstag, damals, und trotzdem waren J., meine damalige Freundin und ich, am Nachmittag schon zuhause. Wir haben irgendwie rumgedaddelt oder was fürs Studium getan (ich wohl eher ersteres, sie wohl eher letzteres), als ihre Mutter anrief und meinte, wir sollten mal die Glotze anstellen.

Es folgten gut zwei Stunden des sich entfaltenden Dramas. Unfassbar, und doch so real und nah (obwohl ich noch nie in New York war, davor oder danach). New York ist eine Stadt im kollektiven Gedächtnis der Menschheit, die Skyline mit ihren Landmarks mir doch so bekannt wie die von Berlin. Die Twin Towers hatte ich schon 1000 mal gesehen. Jetzt waren sie für immer anders, Symbol für ein neues Zeitalter, und auch in hundert Jahren wird man sich an die beiden Türme wohl nur im Zusammenhang mit Flugzeugen und Rauchwolken erinnern.

Nach eben zwei Stunden ewiger Wiederholung der spärlichen Bilder und blind(wütig)er Spekulationen konnten wir nicht mehr. Wir beschlossen, rauszugehen, auf die Schlossstrasse in Steglitz. Die lag Nahe und auf der Strasse läuft man nicht Gefahr, ständig mit den Bildern konfrontiert zu sein. Also sind wir Shoppen gewesen am Nachmittag des 11. September 2011. Keine Ahnung, ob wir was gekauft haben.

“I told her, ‘He had cells, and now they’re on rooftops, and in the river, and in the lungs of millions of people around New York, who breathe him every time they speak!’”
(Jonathan Safran Foer – Extremely loud and incredibly close)

Rückblickend ist es interessant, wie nachhaltig die Anschläge die Welt verändert haben. Klar, die Kriege in Afghanistan und Irak, die ich hier weder kommentieren noch bewerten möchte, aber auch “internationaler Terrorismus” war neu. Terrorismus war vorher fast immer etwas, was weit weg von uns stattgefunden hat seit dem Ende der RAF. Bei den Basken oder den Iren, oder weiter weg noch. In Japan oder Afghanistan eben. Plötzlich war Terrorismus international, wie ein aufstrebendes Unternehmen, das logischerweise auch in die USA und nach Europa expandiert.

Osama bin Laden wurde zur Schreckensfigur für fast ein Jahrzehnt, die Verkörperung des Bösen, die gewollte, gesuchte und gefundene Antipode zu George W. Und so wurde knapp einen Monat nach den Anschlägen schon damit begonnen, “unsere” Freiheit am Hindukusch zu verteidigen. Bedrohter als vor dem 11. September 2001 habe ich mich allerdings nie gefühlt. Und doch hat sich eine nachhaltige Veränderung in all unserer Leben eingeschlichen. Politiker fast überall in der westlichen Welt haben den 11. September und das erfolgreiche business model “internationaler Terrorismus” dazu genutzt, ein Klima der Angst zu schaffen und versuchen unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung grundlegende Freiheiten einzuschränken.

Ich denke, dass es an jedem einzelnen liegt, zu zeigen, dass man keine Angst hat. Das ist vielleicht die grösste Erkenntnis, die wir zehn Jahre später gewonnen haben.

Zitat via ktinka

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