Die SVP-Schweiz – Einblicke in das Grauen namens SVP

So, jetzt hab ich auch endlich mal die viel diskutierte Doku über die SVP von Karin Bauer fürs SF gesehen. Man hatte mich gewarnt, dass ich das alles zum Kotzen finden würde, aber letzten Endes finde ich eigentlich nur alle Urteile über die rechtspopulistische Partei bestätigt. Ihr Programm ist rassistisch und sexistisch, ihre Vertreter durch die Bank Ekelpakete.

Karin Bauer folgte in den letzten zwölf Monaten, bis jetzt nach den National- und Ständeratswahlen, einigen Kandidaten der SVP, die auf verschiedenen Ebenen der Partei wirken. Eine Hausfrau, deren grösster Erfolg es ist, eine Kinderbetreuungsstätte verhindert zu haben, weil Kinderbetreuung Aufgabe der Mutter sei, und die alleinerziehenden Mütter hätten halt Pech gehabt, was trennen sie sich auch von ihrem Mann. Ein Unternehmer, der den persönlichen Profit über alles stellt und sich als kerniger Parteimann und guter Christ geriert. Und dann noch ein bemitleidenswerter Polier, der als Loserfigur den Bünzli (schweizerisch für einen kleinbürgerlichen Spiesser) par excellence abgibt.

Alle Drei zeigen sich wechselweise von ihren Schokoladenseiten: arrogant, naiv, dumm, weltfremd, überheblich, bigott und asozial. Interessanterweise werden in der Doku einige parallelen zur rechtskonservativen Tea-Party-Bewegung offenbar: Die Verbindung zu evangelikalen Kirchen, also die Verbindung von rechtem Gedankengut und einer Überbetonung von christlicher Moral, eine irrationale, paranoide Furcht vor einem obskuren Staatssozialismus sowie eine kaum kaschierte Ausländerfeindlichkeit.

Am Ende ist man wie eingangs gesagt nicht viel schlauer, immerhin wähnt man sich mal wieder im Recht. Die SVP bleibt eine unsägliche und für klar denkende Menschen untragbare Partei, die der Schweiz und ihrem Ansehen schadet. Immerhin meine ich jetzt, eine Klassifizierung von SVPlern in drei Typen vornehmen zu können: zum Einen sind es Unternehmer, die das Volk verarschen und zum eigenen Wohl politisieren, zum Anderen Rassisten, die sich in der Partei am besten repräsentiert fühlen und zum Dritten Verlierertypen, die nicht damit klar kommen, dass die Welt sich dreht und es heute nicht mehr so ist wie früher.

Ganz am Ende des Films gibt es übrigens eine Szene, in der sich die SVP-Mutter mit einem Parteikollegen unterhält. Sie beinhaltet in zwei Sätzen eine Zusammenfassung der SVP-Politik. Er übt nach der Wahl Selbstkritik und sagt: “Nicht nur dagegen, auch sagen wie wir die Lösungen haben [sic] …” – Sie antwortet: “Aber wir haben sie ja nicht!” – Er: “Eben!” Die SVP, die Partei der Probleme-Aufwerfer und Lösungs-Verweigerer.

Wer sich die Doku ansehen will (Achtung, Brechreizgefahr!), hier, bitte:

DOK vom 27.10.2011

4 Kommentare

  1. Deine Meinung zur SVP in Ehren, aber wenn die Linken von der SVP fordern, höflich, tolerant, anständig, vielleicht sogar noch stilvoll aufzutreten, ist es dann vielleicht nicht das Verkehrteste, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen?

    SVP-Vertreter “durch die Bank Ekelpakete”? Alle drei “arrogant, naiv, dumm, weltfremd, überheblich, bigott und asozial”? Und, wenn ich Dich richtig verstanden habe, eigentlich auch alle Rassisten und Sexisten? Sind es nicht solche Pauschalurteile, die eine demokratische Debatte erschweren? Sind es nicht solche Pauschalurteile, die man Blogs wie “Politically Incorrect” vorwirft?

    Es mag durchaus einzelne SVP-Vertreter geben, die ebenso blind um sich schlagen, aber in der Mehrheit sind solche Aussagen von der SVP nicht zu hören. Und in der Doku schon gar nicht, vom wildgewordenen Bauer auf seinem Hof mal abgesehen. Tatsache ist, dass diese offenbar abscheulichen Personen auch noch von einem guten Viertel der Stimmbürger und Stimmbürgerinnen gewählt. Heisst das jetzt, dass jeder vierte Schweizer Rassismus und Sexismus unterstützt?

  2. Ja, Ronnie, wer SVP wählt, unterstützt tendenziell Rassismus und Sexismus oder nimmt diese beiden -ismen zumindest billigend in Kauf. Mir ist klar, dass man nicht jeden Menschen, der Mitglied in der SVP ist, über einen Kamm scheren kann, aber diejenigen, die durch ihre Mitgliedschaft in der Partei den Kurs des Blocher-Flügels mittragen, müssen sich schon die Frage gefallen lassen, warum sie das tun. Im Übrigen geht es mir nicht darum, die SVP tolerierbar oder akzeptabel zu machen, es geht darum, die SVP und den ihr inhärenten Rassismus und Sexismus zu bekämpfen.

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