nobody expects the hamburg inquistition.

grundgesetz artikel 5, absatz 1: “jeder hat das recht, seine meinung in wort, schrift und bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen quellen ungehindert zu unterrichten. die pressefreiheit und die freiheit der berichterstattung durch rundfunk und film werden gewährleistet. eine zensur findet nicht statt.” – an der hamburger sophie-barat-schule gilt das grundgesetz nicht. das katholische gymnasium in trägerschaft der kirche zensiert seine schülerzeitung “sophies unterwelt”.
die zeitung entstand 2004 als absplitterung der seit 2000 erscheinenden schülerzeitung “sophies welt”. diese wurde von einem lehrer betreut, es hatte 2003 differenzen zwischen diesem lehrer und redaktion gegeben. die neue zeitung gründete sich bewusst ohne betreuenden lehrer, obwohl dieser laut schulsatzung obligatorisch für eine schülerzeitung ist. seitdem kämpft die “unterwelt” um anerkennung als schülerzeitung. die redaktion ist engagiert, für eine schülerzeitung gut gemacht und berichtet auch kritisch über den schulalltag und die katholische kirche. aus protest gegen die mangelnde sexualaufklärung an ihrer schule legten sie einer ihrer ausgaben kondome bei. dass all das einer katholischen schulleitung nicht gefällt ist verständlich. wie sie damit umgeht, ist traurig. scheinbar wenig verhandlungsbereit, ist die zeitung seit ihrer gründung ein unerwünschtes blättchen. dummerweise ist die schulleitung abgesichert durch die rahmenordnung der katholischen kirchen hamburgs, die unter paragraph 11 eine zensur vorschreibt. das blatt mit dem gezeichneten teufelchen darf auf dem schulgelände nach wie vor nicht vertrieben werden und nennt sich also leider zurecht “verbotene schülerzeitung vor der sophie-barat-schule”. eine lösung scheint nicht in sicht, die rektorin ist scheinbar nicht verhandlungsbereit. und das, obwohl die zeitung bereits preise gewonnen hat. aus protest gegen diesen anhaltenden zustand sammeln die redakteure jetzt per online-petition unterschriften für eine “legalisierung” der “unterwelt”.

schülerzeitungsredakteure in deutschland kämpfen seit ewigkeiten gegen die zensur durch das rektorat. fast überall haben sie diesen kampf mittlerweile gewonnen. ich selbst habe jahrelang bei einer (leider recht unkritischen) schülerzeitung mitgearbeitet, die unter der aufsicht eines lehrers stand. der hat sich aber nie in redaktionelle belange eingemischt – er war auch einer der korrektesten lehrer an unserer schule. wenn jugendliche an schulen auch zu kritischen, selbständig denkenden menschen erzogen werden sollen, dann gehört die achtung der grundrechte unbedingt dazu. darum sollte man “sophies unterwelt” unterstützen.
(via andi.)
zustand: kämpferisch
hörend: propagandhi – potemkin city limits

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