wochenende=bildungsurlaub

mensch, hab ich mal was für mein hirn getan an diesem wochenende. freitag verbrachte ich (fast) den ganzen tag auf einer konferenz des deutsch-israelischen projekts “on the significance of the holocaust/shoah and the nazi past for the younger generation”. das programm war durchaus ambitioniert, ich habe mich für den workshop “representation” am vormittag und “identity” am nachmittag entschieden. die vormittagssession war durchaus fruchtbar, jackie feldman, anthropologe von der ben-gurion-uni in der negev, gab eine einführung zum thema des unterschiedlichen gedenkens in yad vashem, im jüdischen museum berlin und im denkmal für die ermordeten juden europas. seine ausführungen über yad vashem waren für mich als nie da gewesenen ganz interessant, etwas bekannter (aber auch interessant) schon die exkurse von phil langer, sozialpsychologe von der ludwig-maximilians-uni in münchen zum holocaust-mahnmal und von johannes schwarz (doktorand an der humboldt-uni) zum jmb. fazit: es gibt viele gemeinsamkeiten, aber grundsätzlich unterschiedliche ansätze im gedenken. während es die hauptaufgabe von yad vashem ist, den abwesenden holocaust präsent zu machen, versuchen jmb und denkmal das in deutschland seit 1945 abwesende jüdische leben präsent zu machen.

am nachmittag begann die session etwas verhalten, ich hätte mir eine etwas offensivere haltung der beiden deutschen vertreter (noch einmal phil langer und der taz-redakteur robin alexander) zum problem der identitätsbildung als deutscher durch die deutsche vergangenheit gewünscht, aber vielleicht sind ihre meinungen da einfach nicht so radikal gewesen. tenor auf der deutschen seite war, dass das verlangen nach einer nationalen identität gar nicht unbedingt vorhanden ist, während die israelische seite ganz andere herangehensweisen hat, auf die multikulturelle (ich weiß nicht, ob das hier das richtige wort ist, vielleicht passt multinational besser) zusammensetzung der israelischen gesellschaft zu reagieren. in diesem workshop kam es zum ende noch zu einigen stärkeren meinungsverschiedenheiten der israelis untereinander, die sich aber offensichtlich lösen ließen.

das den konferenzteil abschließende panel “facing the past: divided memory or one generation?”war eine relativ friedfertige veranstaltung, die zu keinen überragenden neuen erkenntnissen führte. alle waren einer meinung, dass aus den unterschiedlichen vergangenheiten eine gemeinsame verantwortung für die zukunft erwachse.

insgesamt aber eine interessante veranstaltung, die viele neue einsichten und denkanstöße gegeben hat. wer sich noch ein bisschen mehr über die gruppe und deren anliegen informierem möchte, tue dies in ihrem (ja!) blog.

am heutigen sonntag haben wir (j. und ich) dann den klassiker gebracht und waren nach der zeitumstellung eine stunde zu früh bei der diesjährigen matinee-veranstaltung des wissenschaftszentrum berlin für sozialforschung. der englische historiker timothy garton ash referierte über die frage, warum (nicht ob!) großbritannien zu europa gehört. kurze essenz des ganzen: die briten haben selber keine antwort darauf und werden in absehbarer zeit auch zu keinem ergebnis kommen. viel interessanter aber war es, mal eine koryphäe in seinem element zu sehen. so möchte ich mal vortragen können. ein kompetentes publikum auf intellektuell hohem, aber immer noch verständlichem und unterhaltsamen niveau neunzig minuten bei der stange zu halten, das ist schon eine kunst.

timothy garton ash bemühte sogar die sun.

zustand: mind-boggled
hörend: chiodos (cheers, endi!)

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