Kurzreise: Meet me in Big Sur

Hach, ist das schön. Die Westküste der USA wartet seit geraumer Zeit geduldig darauf, von mir entdeckt zu werden. Die wunderbaren Bilder aus dem Filmchen “Meet me in Big Sur” von Andrew Julian wären ein guter Anreiz für Reiseplanungen.

Direktvideo

Saphir d’Or, der einzige Plattenladen in Mauretanien

Mauretanien in Westafrika ist nicht nur eine ziemlich grosse Schnitte Sahara, sondern auch eine Islamische Republik. Es gilt die Sharia und die hat’s ja bekanntlich nicht so mit irdischem Vergnügen. Deswegen gibt es angeblich auch nur einen Plattenladen im ganzen Land, Saphir d’Or heisst der Vinyl-Dealer in der Hauptstadt Nouakchott. Grund genug für die Vice, ihren Afrikakorrespondenten Thomas Morton für die Noisey-Reihe Music World da vorbeizuschicken.

Direktvideo, via Das KFMW

Viral: Agraprofit – Billig, transparent und dreckig

Mein Konsumverhalten im Lebensmittelbereich hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Ich esse eh nicht viel Fleisch, und fast alles, was ich zum Essen kaufe, ist mittlerweile Bio. Die Schweiz hat hier glücklicherweise hohe Standards, so dass man in den beiden grossen Supermarktketten Migros & Coop gut einkaufen kann. Das einzige Problem, dass ich oft habe, ist die Vereinbarkeit von Bio & Fair Trade. Das ist nicht immer gegeben, resp. selten transparent.

In diese Kerbe schlägt das Viral der Kampagne Öko+Fair, realisiert von Yool. Die haben sich im vergangenen Herbst auf einen Wochenmarkt in Deutschland gestellt (also da, wo der gute, deutsche Vorzeigeöko am liebsten einkauft). Und haben einen auf völlige Transparenz gemacht. Der Haken: Das, was sie verkauft haben, ist weder Öko und alles andere als Fair. Das haben sie den Kunden auch so gesagt, und wenn man dem Viral glauben möchte, haben sie trotzdem gut verkauft. Scheint, als hätten wir noch viel zu lernen.

Direktvideo, via Nerdcore

Zu #aufschrei: Ich bin Teil des Problems

Ein paar Gedanken zu #aufschrei, wenig strukturiert und eher laienhaft zusammengetragen. Wer mich kennt, weiss, dass ich als Linker klar antirassistische, antisexistische, antihomophobe und antiantisemitische Positionen beziehe. Ich würde mich allerdings nicht als Feminist bezeichnen, zumal mir in diesem Feld ganz klar ein theoretisches Grundwissen fehlt. Es ist nicht so, dass mir der Feminismus nicht wichtig wäre, ich würde mich eher als Sympathisant denn als Exponent des F. bezeichnen.

Dennoch bin ich mir bewusst, dass ich Teil des Problems bin. Und ich denke, dass dieses Bewusstsein für Männer der Knackpunkt ist. Ich tappe auch manchmal in die Fallen, die der “Alltagssexismus”* uns stellt, auch mir passiert es, dass ich Frauen objektiviere. Nicht unbedingt sexuell, aber auch. Das zuzugeben, ist jetzt nicht sonderlich heroisch von mir, ich denke, dass passiert jedem Mann, egal wie emanzipiert er ist. Das Patriarchat steckt in uns allen, ob wir wollen, oder nicht.* Ein Beispiel: letztes Wochenende war ich mit Caro auf dem Conor-Oberst-Konzert in Zürich. Als es um die Vorband ging, die ziemlich tollen First Aid Kit, zwei Schwedinnen, rutschte mir die Bemerkung “zwei junge Dinger” heraus. Und im gleichen Moment, in dem die Worte meinen Mund verliessen, dachte ich: Dafuq, Matze? – Caro hat es dann sinngemäss auch ausgesprochen. Zurecht.

Diese Dinge passieren Männern (und auch Frauen) immer wieder. Warum? Ich denke, das hat viel mit Erziehung und Umfeld zu tun, psychosoziale Faktoren, die ich mangels Qualifikation nicht wirklich aufdröseln kann. Wichtig ist, und damit wäre schon ein Anfang gemacht, einen Beitrag zu weniger Sexismus in unserer Gesellschaft zu leisten, dass Mann sich dieses Problems bewusst wird. Dass man Teil des Problems ist. Das klingt erstmal sehr unsexy und als wolle jedem Mann eine Bürde auftragen. Aber mann kann es auch als Chance begreifen: Selbstverbesserung zur Verbesserung des grossen Ganzen. Ein nächster Schritt ist dann natürlich, dieses Bewusstsein praktisch anzuwenden: Warum setze ich Frauen herab, wenn auch nur in Gedanken? Wie läuft dieser Prozess ab? Was kann ich dagegen tun, wie kann ich das abstellen? – Wo “lauern” Alltagssexismen auf mich, warum habe ich diese internalisiert? Wie werde ich sie los?

Also: Seien wir uns bewusst, wie wir denken, was wir denken. Machen wir uns nichts vor – wir sind nicht besser als die Anderen, aber wir können es mit etwas Bewusstsein werden. Ich versuche es.

*Diese Stellen sollen keineswegs so verstanden werden, als wären Männer Opfer gesellschaftlicher Umstände, für die sie nichts könnten. Wir alle können und müssen daran arbeiten, gesellschaftliche Zu- und Umstände zu ändern, dazu gehört auch der Sexismus, der in seinem Charakter strukturell ist.

Click! 04 2013

Click! ist eine Sammlung von hörens-, sehens- und lesenswerten Dingen, die mir im Laufe der letzten Woche über den Weg gelaufen sind.

Musik:

Der Mix der Woche ist ein Liveset von Modeselektor, die für Boiler Room Berlin aufgelegt haben. Ich baue hier das Video ein, weil es eine schöne Location (Stadtbad Oderberger Strasse) ist, es eine gute Lightshow gibt, die den Raum nutzt und es auch ganz interessant ist, den beiden Protagonisten auf die Finger zu schauen.

Das Kraftfuttermischwerk – Sven Weisemann – Moonlight In Vermont Mix
Das Kraftfuttermischwerk – Ein Mix aus Abspannliedern: DJ Luv – End Credits
Das Kraftfuttermischwerk – Fünf fantastische Mixe: Thom Monn – The Svenska Series
Testspiel – Dr. Motte @ Back To Basics (Classic Techno DJ Set)
Pitchfork – FIDLAR Albumstream
78s – A-Thom-ic Mixtape von Thom Yorke
Das Kraftfuttermischwerk – Detroit Swindle – Dirtcast #23
Das Kraftfuttermischwerk – Tribute-Mix to Curtis Mayfield (by Kirk Degiorgio)
Das Kraftfuttermischwerk – Funky Jeff mixt Biosphere Tribute
Das Kraftfuttermischwerk – Shu – Deep Dark Dungeon Dubstep Mix Series #023
Testspiel – Just Jam: Four Tet
Tanith – Mein Set @ Suicide Club 18.01.2013
Das Kraftfuttermischwerk – Chillen, skandinavisch: isolatedmix 35 – Orion & J.Shore

Film/Foto:
National Film Preservation Foundation – The White Shadow (1924)
[Einer der ersten Filme von Alfred Hitchcock – stumm und von 1924!]
The Atlantic – In Focus – The 2nd Inauguration of Barack Obama in Photos
The Big Picture – China’s Skies: Toxic levels of pollution
The Atlantic – In Focus – The Conflict in Mali
The Atlantic – In Focus – Chicago’s Freezing Fire

Politik/Gesellschaft:
TED – Leslie Morgan Steiner: Why domestic violence victims don’t leave

Kultur:
Jungle World – ”Für welches Produkt sollten wir werben?”
[Interview mit Dirk von Lowtzow, geführt von Maurice Summen.]
Tocotronic über ihre Lieblingsplatten

Ein bisschen Tanzmusik

Hier ein paar elektronische Tanz-Tracks, ein bisschen random, zugegebenermassen, aber sie sind mir halt in den letzten Wochen über den Weg gelaufen.

Über Vario ist leider nicht viel zu erfahren, ausser, dass er aus Basel ist und scheinbar noch eher am Anfang seiner Karriere steht. Geschmeidiger Techhouse (oder wie man das nennt) mit einer äusserst coolen Bassline. (via Stylons)

John Bear aus Leeds dünkt mir ebenfalls noch recht unentdeckt und jung. Der Typ aus Leeds bringt Klubmusik mit deutlich britischem Touch, ohne in eine bestimmte Genrefalle zu tappen. Ganz tolle Nummer! (Ebenfalls via Stylons)

Midimúm ist mir irgendwie im Audiolith-Umfeld schon mal begegnet, ich bin aber grade zu faul zu schauen, wo. Die Nummer zusammen mit Oberst & Buchner gefällt mir ausserordentlich wegen dem gut und unprätentiös eingesetzten Piano und dem schön saftigen Drumpattern. Das Ding kann man sich mit ein paar Remixen bei iTunes kaufen. (via Olli)

Doku: 1959, the Year that changed Jazz

Ich hab ja ein gutes Verhältnis zum Jazz. Vor zwei Jahren hab ich mich viel mit Miles Davis und seinem Schaffen beschäftigt, ein bisschen besser kenn ich ebenfalls Charles Mingus, dessen musikalischen Stil und dessen open-mindedness ich sehr schätze. Alle anderen Grossen des Jazz muss ich mir noch aneignen. – Die beiden genannten jedenfalls sind auch Gegenstand der BBC-Doku “1959, the year that changed Jazz” aus dem Jahr 2009.

In einer guten Stunde werden in der Produktion vier Alben abgehandelt, die Jazz 1959 in neue Richtungen trieb: Miles Davis’ Meisterwerk “Kind of Blue”, Charles Mingus’ “Mingus Ah Um”, Ornette Colemans “The Shape of Jazz to come” und Dave Brubecks “Time Out”. Die Erzählstimme wirkt etwas aufgesetzt und die Bildauswahl mitunter etwas random, dafür gibt’s grossartige Musik und tolle Anekdoten zu hören.

Direktvideo, via Dangerous Minds